Hohes C auf Tournee

Reisebericht von Ursula Wolter

Hurra, wir haben es getan: Wir waren auf „Tournee“ in England und haben Pastor Ulli Lincoln in London besucht.

Nach langer Planung und mit großer Vorfreude ging die Reise am Donnerstag, dem 26. Mai um fünf Uhr morgens mit „unserem“ geliehenen VW-Bus los. Die Unterquerung des Ärmelkanals war ein Erlebnis für sich. In Calais musste man seitlich in den Autoreisezug hineinfahren wie in eine lange, enge Röhre. Die Fahrt unter Wasser dauerte ungefähr 35 Minuten – und war zum Glück weniger unheimlich, als wir befürchtet hatten.

In Folkstone tauchten wir wieder auf – und nun war der Weg nicht mehr weit. Um 16 Uhr englischer Zeit kamen wir bei der Dietrich Bonhoeffer-Kirche im Stadtteil Sydenham an. Die Bonhoeffer-Gemeinde ist eine von drei Gemeinden, die Ulli betreut. Von 1933 bis 1935 war Dietrich Bonhoeffer dort Pastor der deutschen Gemeinde.

Das Wiedersehen mit Ulli war wunderbar. Nun erst konnten wir es selbst richtig glauben: Wir hatten es geschafft, uns auf den Weg zu machen – und nun waren wir endlich da.

Zuerst luden wir unserer Instrumente, die Noten und die Teile der Anlage aus, die wir mitgebracht hatten. Dann übernahm Ulli das Steuer unseres Busses und brachte uns zu sich nach Hause. Diese etwa 17 km lange Strecke dauerte noch einmal eineinhalb Stunden, gab uns schon einen netten Vorgeschmack auf die unzähligen Sehenswürdigkeiten der Stadt … und einen bleibenden Eindruck vom Londoner Verkehr: Stop and Go ohne Ende, Autos und Busse vor, hinter, neben uns, Fahrradfahrer in halsbrecherischer Zickzackfahrt dazwischen, Menschentrauben an den Straßenrändern, ein unglaubliches Gewühl …! Wir waren froh, als wir gegen 21 Uhr endlich beim Pfarrhaus ankamen.

Dort gab es ein Wiedersehen mit Anne und Keisha. Von allen drei Lincolns sollen wir viele Grüße an die Gemeinde in Dettum ausrichten – also: Herzliche Grüße an alle. London grüßt Dettum!

Der folgende Freitag war unser Probentag. Wir fuhren gleich morgens mit der U-Bahn zur Kirche und übten dort bis zum späten Nachmittag – immerhin mussten wir das gesamte Konzertprogramm nun erstmalig gemeinsam durchgehen. Es war gleichzeitig ungewohnt und doch wunderbar vertraut, wieder gemeinsam mit Ulli Musik zu machen.

Danach zogen wir ins „Abenteuer London“, wo wir versuchten, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel von der Innenstadt zu sehen. Die „Ausbeute“ des Tages waren: das Riesenrad „London-Eye“, der Big Ben,  Westminster Abbey – und ein Flashmob am Picadilly Circus, den wir aus einem Doppeldeckerbus heraus beobachten konnten: Das (normale) Verkehrschaos kam plötzlich völlig zum Erliegen – und dann hoben aus einer Menschenmenge heraus plötzlich zahlreiche Passanten Fahrräder in die Höhe. Warum? Das haben wir nicht herausgefunden.

Am Samstag war noch einmal Sightseeing angesagt: Trafalgar Square, St. Paul´s Cathedral, Tower of London. Leider hatten wir keine Zeit für ausführliche Besichtigungen, aber dafür haben wir ungefähr hundertmal die Towerbridge mit und ohne uns im Vordergrund fotografiert. Anschließend fuhren wir mit einem Motorboot über die Themse nach Greenwich. Dort gab es die nächste Foto-Session: Das Hohe C auf dem 0. Meridian: We have been there! In East and West at the same time!

Auch am nächsten Tag, dem Sonntag, war Musik angesagt: Wir waren eingeladen, bei einem Taufgottesdienst eines Kollegen von Ulli mitzuwirken, der wie Ulli mehrere deutsche Gemeinden als Pastor betreut. Wir brachten unter anderem den Dettumer Gemeinde-Hit „Keinen Tag soll es geben“ mit.

Nach der Kirche gingen wir shoppen. Obwohl es Sonntag war, waren alle Geschäfte offen, und der Verkehr pulsierte in den Straßen wie an jedem anderen Tag auch. Unglaublich. Aber noch viel unglaublicher war das Nobelkaufhaus Harrods. Ein derart gigantisches Kaufhaus hatten wir noch nie erlebt. Danach mussten wir uns erst einmal in einem Café erholen … Und abends machten wir wieder Musik, dieses Mal nur für uns und bei Ulli zu Hause. Der Abend endete schließlich mit einem Pub-Besuch. Der durfte natürlich auch nicht fehlen!

Im Pub wurde ein interessantes Thema ausgiebig, aber nicht abschließend diskutiert ...

Und dann … ja, am nächsten Tag, da ging es schon wieder nach Hause. Wie schade! Viel zu schnell war die Zeit vergangen. Auf einmal saßen wir in unserem Bus und mussten uns verabschieden. Die Rückfahrt zog sich sehr in die Länge .... Um Mitternacht waren wir endlich in Dettum.

Wir haben es geschafft! Wir sind nach London gereist, haben 1900 km zurückgelegt, haben Ulli besucht – und sind heimgekehrt mit vielen wunderbaren Erinnerungen und Eindrücken und voller Dank: an Ulli, der uns eingeladen und eine tolle Zeit mit uns verbracht hat, an Anne, die uns ertragen und beherbergt hat, obwohl sie eigentlich selbst im Reisestress war, an Christines Schwester, die uns vertrauensvoll ihren Familienbus zur Verfügung gestellt hat – und an Frau Loose, die mit einer sehr, sehr großzügigen Spende dazu beigetragen hat, dass unsere Gruppenkasse jetzt nicht leer ist. 

Tausend Dank an Euch alle!

Es waren unvergessliche Tage!